Tharas'zhu

In grauer Vorzeit, lange, bevor die ersten Menschen in Tamarillo siedelten, herrschte die mächtige Rasse der Tharas'zhu über ein gewaltiges Reich, dass sich von den Ländern Tamarillos bis nach Anávrin, jenseits der Mündung des Enti'yectah, erstreckte.

Diese reptilische Spezies ähnelt großen, stämmig gebauten Schlangen mit kräftigen Schwänzen, die sie zur Fortbewegung, zum Abstützen und auch als Nahkampfwaffe verwenden - Nicht-Reptilische Kämpfer neigen dazu, den Schwanz zu übersehen, was ihnen den Vorteil eines Überraschungsangriffs gibt.

Obwohl die Tharas'zhu von Schlangen abstammen, besitzen sie zwei kräftige Arme mit je vier langen, klauenbewehrten Fingern, mit denen sie grob- und feinmotorisch geschickt hantieren können.

Hinten an ihrem Kopf sitzt ein mächtiger Nackenschild, deren genaue Größe und Form von Kaste zu Kaste unterschiedlich ausfällt. Er schützt hervorragend die verletzlichen Stellen an Kopf und Nacken, genauso wie auch die dicke, schuppige Haut, die als natürliche Rüstung fungiert.
Zusätzlich tragen die Tharas'zhu - so sie denn einmal selbst in den Krieg ziehen, und nicht ihre Diener vorschicken - auch noch Rüstungen, was sie zu schwer zu knackenden Gegnern macht.

Meist jedoch kämpfen Gegner der Tharas'zhu gegen ihre Diener - allen voran die unterworfenen Völker der ... und der Caranuth.

Während die ... hauptsächlich in größeren Zahlen als Plänkler oder "Kanonenfutter" verwendet werden - es ist den Tharas'zhu ziemlich egal, wieviele ihrer untergeordneten Diener draufgehen - sind die Caranuth die Elitekrieger der Reptilischen Armeen. Indoktriniert und vom Ei auf zur Unterwürfigkeit den Tharas'zhu gegenüber erzogen, trachten die Caranuth danach, im Kampf so viele Gegner wie möglich zu töten, und damit die Gnade - und vielleicht sogar ein lobendes Wort - ihrer Herren zu erlangen.

Andere Völker waren entweder von den Schlangenwesen versklavt, oder an die Ränder ihres Reiches verbannt worden - allein die kühlen Lande des Nordens und die heißen Wüsten des Südens blieben von den kaltblütigen Schlangenwesen verschont.

Es waren zwei von den dort lebenden unbeugsamen Völkern, welche das große Reich der Reptilien schließlich zu Fall bringen sollten: Zum einen das Menschenvolk der Hjôghoch, von dem man glaubt, dass zu seinen Verwandten sowohl die Rothaî, als auch die Cîalwhyr gehören.
Ihr großer Anführer Rîogh Hârcliddh Tâsra, ein Kriegshäuptling des Stammes der Fîogharrh, einte die verstreuten Völker und besiegte die Tharas'zhu und deren Verbündete in drei großen Schlachten bei den heute vergessenen Städten A'shrr, Tza'shuarra und Sha'uth, von denen nichts blieb als von Gras bewachsene Hügelgräber, in denen die Hjôghoch sowohl ihre eigenen Toten als auch die des Feindes begruben.

Das zweite Volk, dass die Tharas'zhu bekämpfte, waren die Halagai, ein Volk von Wüstennomaden aus Cilithien, deren Spuren sich im Laufe der Geschichte verlieren, und über die nicht viel bekannt ist. Manche Forscher vermuten, dass sie mit den Dagari verwandt, oder sogar deren Vorfahren waren.
Sie drängten die Schlangen über den Enti'yectah nach Osten zurück, und zerstörten die Hauptstadt des Reiches im südlichen Hernatria, Thassaara.

Der letzte Rest des Reiches, der nur noch Tamarillo und einige wenige Inseln vor dessen Küste umfasste, zerfiel nach und nach, und nur ein Teil davon, nämlich das Reich des Mondes, Shantaa'zza, im Süden Tamarillos, blieb bestehen.

Als die Rragamar, die katzengestaltigen "Alten", aus ihrer Heimat in den Steppen von Hernatria nach Tamarillo kamen, gerieten sie bald in Konflikt mit ihren aggressiven Nachbarn, und in langen, heftigen Kriegen wurde das Hierarchat von Shantaa'zza vernichtend geschlagen.

Die Tharas'zhu, stark dezimiert und durch ihre Niederlagen entmutigt, verließen nicht nur Südtamarillo, sie beschlossen, alle Mitglieder ihres Volkes nach Iyuma zu evakuieren.

So gründete der letzte Eibruder des besiegten Hierarchen, Shuyuu, auf dem Boden von Desivedhe die Stadt Shaa'hatnaar, welche bald zur Hauptstadt der umgebenden "Provinz des Giftstachels" wurde.

In diese Periode, die von den Tharas'zhu heute auch "Zeit der Ersten Saat" genannt wird, breitete sich ihr Einfluss immer weiter über die Halbinsel aus.

Zunächst unterwarf das Schlangenvolk die zahlenmäßig weit unterlegenen Spinnenwesen des nördlichen Desivedhe, die Khiizzghiil. Ihr Gebiet wurde, mit der neu errichteten Stadt Uss'rruh, als "Provinz der Netzweber" Teil des Reiches der Tharas'zhu.

Die Städte der Tharas'zhu wurden damals - wie heute - von den Sklaven und den  Dienervölkern erbaut und versorgt - die meisten Schlangenwesen haben in ihrem Leben noch keine schwere Arbeit vollbringen müssen, mit Ausnahme der wenigen Tharas'zhu der Arbeiterkaste, und der Soldatenkaste.

Nahezu gleichzeitig mit dem Aufstieg des Schlangenreiches erhob sich der einfache, aber zähe Menschenstamm der Yanad aus dem Dunkel der Frühzeit, und begann, befestigte Städte im Südosten von Desivedhe zu errichten.
In heftigen Kämpfen mit den dort ansässigen Skeyvij, einer nicht minder zähen Insektenrasse, rangen sie der kargen Umgebung nach und nach Ackerland und Viehweiden ab.

Von diesen Entwicklungen noch nichts ahnend, überfielen die Tharas'zhu das friedliche, befellte Volk der Pogu, welche sie schon seit längerem als Nahrungsquelle und Vorrat an Sklaven nutzten, und unterwarfen deren Gebiete. Von der Stadt Damrru beherrscht, gliederte sich die "Provinz der Beute" dem Reich an.

Während die Schlangenwesen nur langsam ins Inland vorstießen, unterhielten sie eine größere Seeflotte, die die umliegenden Küsten ansteuerte.
Auf Handelsreisen nach Padalis erfuhren die Diener der Tharas'zhu - denn zu diesem Zeitpunkt fuhren die Schlangenwesen kaum noch selbst zur See - von einem mächtigen Reich der Katzenwesen, die vor langer Zeit ihre Vorfahren aus Padalis vertrieben hatten.
Auf Betreiben der Priesterschaft von Zzukhnurr dem "Zerfetzer", einem blutrünstigen Kriegsgott, setzte sich eine gewaltige Streitmacht in Bewegung, die in einem blitzartigen Angriff das Reich der Rragamar zerschlug, und die Katzenwesen versklavte.
Die mächtige Festung Sharazz, erbaut mitten im Tamarillo-Gebirge, sollte auf ewig über die neue alte "Provinz des Mondes" herrschen.

Doch die Herrschaft über die Katzenwesen sollte nicht lange andauern. Ein Bündnis dieser mit etlichen Nachbarvölkern, die sich von den aggressiven Schlangen bedroht fühlten, brachte den jähen Niedergang der Provinz und die neuerliche Vertreibung der Tharas'zhu aus Padalis mit sich.

Die Niederlage hatte die Schlangewesen empfindlich geschwächt, und so konnten sie der ersten großen Welle der Skeyvij nichts entgegensetzen, die wie ein Heuschreckenschwarm die Halbinsel überschwemmte.

Doch die Insekten waren nicht auf Eroberung aus, und zogen sich bald wieder in ihre angestammten Gebiete zurück.
Durch diese Züge geschwächt, waren sie nun ihren menschlichen Nachbarn, den Yanad, unterlegen - und standen deren Expansion nicht mehr im Wege.
Binnen weniger Jahrzehnte errichteten die Yanad ein mächtiges Reich, mit einem Fürsten an der Spitze, der Kontakte bis nach Padalis unterhielt.

Nicht genug, dass die Yanad die Machtbestrebungen des Hierarchats der Tharas'zhu bedrohten, kamen noch weitere Menschen ins Land - Kolonisten von Cila, die an der West- und Südküste mehrere Städte errichteten.

Colras, Hefnutu und Kulir waren die Namen der größten und mächtigsten dieser Städte, die mit immer größerer Macht gegen die Tharas'zhu vorgingen.

Schließlich jedoch brachte eine grundlegende Wandlung in der Kultur der Tharas'zhu die Wende auch für ihre Bestrebungen, ihr Gebiet zu vergrößern:

Eine Revolte der Priesterschaft des Schlafenden Gottes stürzte den Hierarchen von Shaa'hatnaar und erhob einen der ihren, den Hohepriester Nuuz'khrai zum neuen Hierarchen - und mit ihm kamen die schlimmsten, skrupellosesten Magier, die bis heute die Kultur der Tharas'zhu dominieren - die Nekriten, die sich auf die Beschwörung von Dämonen und Untoten spezialisiert hatten, und zu deren Riten blutige Opferungen intelligenter Lebewesen gehören.

Während das Reich der Yanad weiter erstarkte, konnten die Tharas'zhu die cilithischen Kolonien quasi im Handstreich erobern. Die Überlebenden wurden als Sklaven dem Reich eingeordnet, ihre Städte umbenannt - Zzaarkhos, das ehemalige Colras, wurde zur neuen Hauptsadt der "Provinz des Meers" an der Westküste.

Nur die kleine Enklave von Dormhis blieb von den Tharas'zhu aus unbekannten Gründen verschont, und wurde von den Bewohnern in den nächsten Jahrzehnten zu einer mächtigen Festung ausgebaut.

Ein weiterer Ansturm der insektenhaften Skeyvij konnte von den Nekriten abgeschmettert werden - und doch genügte diese kurze Ablenkung, damit eine Streitmacht der Azzarri unter Garimzharr, dem Seefahrer das Unmögliche wahr machte - mit der heimlichen Unterstützung der isolierten Cilither von Dormhis eroberte Garimzharr die Hauptstadt der Tharas'zhu, Shaa'hatnaar, und hielt sie, während seine Truppen plünderten, ganze zwei Jahre lang gegen eine gewaltige Entsatzstreitmacht, bevor er unbehelligt abzog.
Diese Schmach verwanden die Tharas'zhu lange Zeit nicht - bis sie das Reich der Yanad angriffen, und es in Grund und Boden stampften.
Der amtierende Fürst der Yanad wurde den Schlangengöttern geopfert, und ihre Hauptstadt Yanadai in Yazzhai umbenannt und der "Provinz der Sklaven" vorangestellt. Die Yanad wurden schlimmer behandelt als die meisten anderen Sklavenrassen, und tausende von ihnen wanderten in die Mägen der Hohen Kasten der Tharas'zhu.

In jüngerer Zeit isolierten sich die Tharas'zhu durch ihre grausamen Bräuche und ihre Gleichgültigkeit gegenüber den nicht-reptilischen Völkern mehr und mehr, und kein aufrechter Padalier würde mehr mit ihnen offen verhandeln.

Dies gilt jedoch weder für den Nes Keshru, den Geheimdienst der Cilither, der insgeheim Verhandlungen über den Austausch von Sklaven gegen Reichtümer aus Iyuma verhandelt, noch für gewisse Zweige der Academia Magica, die sehr interessiert an den Geheimnissen der Nekriten sind, und mehr als nur ihre Seele verkaufen würden, um an diese zu gelangen...

Während die Tharas'zhu den Menschen seit dem Sieg über die Yanad ziemlich gleichgültig gegenüberstehen - mit dem Essen spricht man normalerweise nicht - verbindet sie mit den pelztragenden Bewohnern von Padalis und Iyuma nur der brennende Hass, den beide Seiten füreinander empfinden.
Ein Azzarri oder Rragamar, der in die Klauen der Schlangenwesen fällt, kann nur eines erwarten - einen schmerzhaften Tod.

Die Kultur der Tharas'zhu ist in Kasten unterteilt, die sich zum Teil auch körperlich stark unterscheiden.

Die 10. und unterste Kaste der Reptile besteht aus der Sklavenrasse der ..., welche eine eigene reptilische Spezies sind, die vor Jahrtausenden von den Tharas'zhu unterworfen wurde. Auch die anderen reptilischen Sklaven, die nicht der Spezies der Tharas'zhu angehören, werden zu dieser Kaste gezählt. (alle nicht-reptilischen Sklaven werden nur als "Beute" oder "Futter" bezeichnet und haben keinerlei sozialen Status).

Die 9. und zweitunterste Kaste besteht aus den Arbeitern, den sogenannten Shrruu, welche hauptsächlich aus niederen Tharas'zhu, aber auch aus wenigen Angehörigen anderer reptilischer Spezies besteht, die sich ihren Status durch herausragende Taten verdient haben.

Die 8. Kaste sind die Ashzzai, die sogenannten Brüter: Sie sind für die Pflege und den Schutz der Eier der Tharas'zhu verantwortlich, die unabhängig vom sozialen Status der Eltern behandelt werden (allerdings ist unterhalb der achten Kaste niemandem die Vermehrung gestattet.)

Die 7. Kaste sind die Groshzz, die Soldaten. Sie schützen die Städte und Festungen der Tharas'zhu gegen jegliche Angriffe von außen, und sind für die Niederwerfung von Sklavenaufständen und Rebellionen zuständig. Obwohl die Schlangenwesen hauptsächlich ihre Diener kämpfen lassen, sind alle Angehörigen der 7. Kaste ausschließlich Tharas'zhu.
Im Kampf verwenden diese Krieger meist Stoßlanzen und Äxte, die sie selbst mit ihrem ungewöhnlichen Körperbau gut einsetzen können.

Die 6. Kaste sind die Shyandaii, die Weibchen - sie sind für die Eiablage zuständig, und haben den oberen Kasten jederzeit zur Vermehrung zur Verfügung zu stehen.

Die 5. Kaste sind die Koii, die Diplomaten, welche Kontakte zu den wenigen reptilischen Völkern halten, die zumindest nicht als Beute betrachtet werden.

Die 4. Kaste sind die Rhuvv, die Herrscher. Ursprünglich die oberste Kaste, bilden diese nun die Verwalter und Regierenden der einzelnen Provinzen.

Die 3. Kaste sind die Haiay, die Nekriten, die mit ihrer magischen Macht das Reich aufrechterhalten.

Die 2. Kaste sind die Irrazyah, die Priester, welche den Kontakt zu den Göttern halten. Sie sind wiederum in 9 Unterkasten unterteilt, von denen nur die oberste, die Shryyy, welcher momentan nur der Oberpriester angehört, und die zweitoberste, die Kyyy, welche mit einem Priester pro Stadt vertreten ist, direkt mit der 1. Kaste kommunizieren dürfen.

Die 1. und oberste Kaste sind die Ahryatazz, die Götter - mythische Wesen, von denen angeblich in jeder Großstadt eines in der größten Tempelpyramide lebt. Ihnen werden Sklaven und Opfergaben dargebracht, und nur die obersten Priester dürfen sich ihnen nähern, ohne getötet zu werden.


Außerhalb dieses Kastensystems stehen die Khiizzghiil, die als einziges nicht-reptilisches Volk als gleichberechtigt gelten, und sich sogar den Haiay ungefragt nähern dürfen - sie dienen den Kasten 3 bis 8 und erfüllen viele unterschiedliche Aufgaben - von Botendiensten über das Hüten von jungen Tharas'zhu, Nachtwache (wenn die Tharas'zhu durch ihre Kältestarre geschwächt und annähernd hilflos sind), bis zum Säubern der Schlangenwesen nach der anstrengenden Häutung.

Ebenfalls einen Sonderstatus nehmen die "Ghrazzyakk" ein, die "Wiederbelebten": Das schließt alle Lebewesen ein, die durch die düstere Magie der Nekriten zum Untod "erhoben" wurden - für die Tharas'zhu ein heiliger Akt. Durch ihre unerschütterliche Loyalität gegenüber ihren Meistern und ihrer rastlosen Existenz, in der sie ohne Schlaf oder Nahrung auskommen, sind sie ideale Wächter, die wichtige Orte und Regionen am Tag und in der Nacht bewachen.
Nur wenige von ihnen haben eine gewisse Art von Intelligenz behalten - die meisten sind nichts als hirnlose Drohnen und Befehlsempfänger, gerade klug genug, um Befehle wie "Hier hinstellen und alles töten, was nicht Freund ist" zu verstehen.

Einige Tharas'zhu haben die Magie der Nekriten jedoch dazu verwendet, ihr Leben unnatürlich lang zu verlängern - sie behielten einen wachen Geist in einem toten, verfallenden aber dennoch umherwandelnden Körper, der durch bizarre und blutige Riten "erneuert" wird, wenn er droht, zu zerfallen.

 


Hättest Du gewusst...

... dass die Rothaî keine Schrift kennen?

... dass die K'luva flugfähige Humanoide sind?

... dass "Fartee" worisiannische Dorfgemeinschaften sind?